Silvester

Silvester mit Hund

Wir haben für euch ein Handout zusammengestellt mit Infos, Hintergründen, Tipps und Tricks zu Silvester. Ihr könnt dieses hier online lesen (siehe unten, grauer Kasten) oder hier als PDF herunterladen.

Des Weiteren findet ihr hier einen Link zur Homepage von Tierarzt Rückert, der das Thema Silvester jedes Jahr realistisch, fachlich kompetent und pragmatisch betrachtet. Wir können uns seinen Erfahrungen mit dem Einsatz und Nutzen von Eierlikör nur anschließen, da wir selber sehr gute Erfahrungen bei unseren Hunden damit gemacht haben.

Unsere größte Bitte an euch: Passt auf eure Hunde auf! Sichert eure Hunde ab heute und bis in den Januar hinein, ggf. auch doppelt und dreifach. Ängstliche Hunde und Hunde ohne Silvestererfahrung NICHT ableinen.

Silvester

Des einen Freud, ist des anderen Leid

Silvester ist für viele Hunde die stressigste Zeit des Jahres. Sie beginnt meist am 28. Dezember, wenn der Einzelhandel zum Feuerwerks-Shopping einlädt und endet oft erst am 2. Oder 3. Januar, wenn auch der letzte Böller gezündet wurde. Der Silvesterstress beschränkt sich somit nicht nur auf den 31. Dezember.

Für viele Hundehalter stellt sich die Frage „Was kann ich tun, um meinem Hund zu helfen?“. Um einer Geräuschangst mit sinnvollem Training zu begegnen, ist es heute für dieses Jahr schon zu spät. Ein gutes Training sollte am 5. Januar beginnen, wenn das letzte Feuerwerk vorbei ist. Es gibt aber verschiedene Tipps, Tricks und Managementmaßnahmen, die helfen können, dem Hund die Angst zu nehmen.

 

Was ist eigentlich Angst?

Angst beschreibt ein Grundgefühl in bedrohlich empfundenen Situationen und ist ein Schutzmechanismus, der dem Selbsterhalt dient. Die Angst vor einem Feind kann durchaus sinnvoll sein und das Individuum vor dem Tod bewahren. Angst wird dann zum Problem, wenn Sie übertrieben und unangemessen gezeigt wird.

Wodurch Angst ausgelöst wird, wovor ein Hund Angst hat und wie er darauf reagiert, kann sehr unterschiedlich sein und hängt vom Typ ab. Dabei spielen Veranlagung, Aufzucht, Sozialisierung und Habituierung, (Lern-)Erfahrungen und Charaktereigenschaften eine Rolle. Geräusche und Situationen die ein Hunde nie kennen gelernt hat, können bei einem eher unsicheren Hunde schnell zu Angst führen, wohin gegen ein mutiger Artgenosse interessiert und neugierig in der Situation reagiert.

 

Die Angst vor dem Knall

Nicht nur Hunde erschrecken sich, wenn es plötzlich laut knallt, da geht es uns doch nicht viel anders. Auch hier spielt die Evolution eine große Rolle und das Zurückschrecken, wenn es irgendwo laut knallt, ist erstmal völlig normal. Von diesem Schreck erholt sich der Hund in der Regel schnell, nach kurzer Zeit ist die Situation vergessen. An Silvester bleibt es jedoch nicht bei diesem einen Knall. Innerhalb von mehreren Tagen muss sich der Organismus immer wieder mit verschiedenen lauten Geräuschen auseinander setzten und hat dabei nur kurze bis gar keine Erholungsphasen. Der Hund hat keine Möglichkeit der Situation, die zur Angst führt, zu entfliehen. Hinzu kommt die Verknüpfung mit anderen Reizen (klassische Konditionierung). Dem Knall geht ein Zischen vorweg, ein unangenehmer Geruch und  während es knallt leuchtet der Himmel in bunten Farben. Diese Kombination macht nicht nur den Knall zum angstauslösenden Reiz. Es ist vergleichbar mit einer Gewitterangst. Hatte der Hund anfänglich nur Angst vor dem Donner, führt später auch der veränderte Luftdruck, der Regen oder der Blitz zur Angstreaktion.

 

Und was nun?

Das Areal in dem Angst entsteht und gespeichert wird ist die Großhirnrinde. Unglücklich für das Training ist, dass wir in diesem Bereich Gespeichertes nicht löschen können, was das Training sehr schwer macht und viel Geduld erfordert. Die negativen Emotionen können jedoch von positiven Gefühlen überlagert und verdrängt werden.

Viele Hundehalter wünschen sich einen entspannten Hund zu Silvester, den jeder Knall im Alltag kalt lässt und streben ein entsprechendes Training an. Hier bedarf es einer ehrlichen Aufklärung was den Trainingsumfang und Aufwand angeht. Geht es nur um die Angst vor Silvester, ist ein sinnvolles Management um das Jahresende deutlich einfacher und mit weniger Aufwand verbunden. Man kann z.B. mit dem Hund in eine knallerfreie Gegend verreisen und dem Ganzen einfach aus dem Weg gehen. Eine systematische Desensibilisierung macht dort Sinn, wo der Hund auch im Alltag immer wieder mit großen Ängsten zu tun hat, so dass seine Lebensqualität leidet. Hier wird ein Reiz (z.B. das angstauslösende Geräusch) unterschwellig präsentiert, während sich der Hund in einer positiven Gefühlslage befindet. Dieses Training verlangt vom Halter viel Aufwand, Engagement, Fleiß und Konsequenz und das ganze über einen langen Zeitraum. Nicht zu vergessen sind die fachlichen Kompetenzen, die nötig sind, um Beginn und Ende des Reizes zu timen. Eine systematische Desensibilisierung sollte immer durch Anleitung eines Hundetrainers stattfinden.

Hilfsmittel

Industrie und Pharmazeuten haben verschiedene Präparate auf den Markt gebracht, die entweder frei verkäuflich oder über den Tierarzt zu beziehen sind.

  • Pheromonstecker, Sprays oder Halsbänder enthalten Pheromone, die bei der Mutterhündin in der Welpenaufzucht ausgeschüttet werden, z.B. wenn die Welpen gesäugt werden, und führen beim Hund zu einem Geborgenheitsgefühl. Es gibt Hunde bei denen diese Produkte sehr gut funktionieren, bei anderen ist keine Wirkung spürbar. Da sie aber in keinem Fall schaden, ist ein Ausprobieren immer sinnvoll.
  • Thundershirt oder Bandagen liegen eng am Körper des Hundes an und sollen, ähnlich wie bei Neugeborenen, durch das enge Wickeln, beruhigend wirken. Auch hier gilt: Ausprobieren, solange sich ihr Hund nicht daran stört.
  • Sedierungsmedikamenten kann nur der Tierarzt verordnen. Waren sie noch lange Zeit Mittel der Wahl, wird ihr Einsatz mittlerweile differenziert betrachtet. Viele Medikamente führen dazu, dass der Hund müde und scheinbar entspannt im Körbchen liegt und schläft. Körperlich mag dies stimmen, der Kopf ist aber oft noch „angeschaltet“, so dass der Hund seine Angst normal durchlebt. Andere Präparate sind da wirkungsvoller, müssen aber oft über mehrere Wochen vorher bereits eingeschlichen werden. Die Gabe von Medikamenten muss unbedingt und immer mit dem Tierarzt besprochen werden.
  • Die Gabe von homöopathischen Mitteln ist eine weitere Option. Auch hier gibt es die, bei denen sie Wunder wirken, und die, bei denen eine Wirkung völlig ausbleibt. Eine Gute und fachkundige Beratung kann zum Gelingen beitragen.

DAS Wundermittel bei Geräuschangst ist bisher wohl noch nicht erfunden. Was immer sinnvoll und hilfreich ist, ist ein souveräner Hundehalter, der seinem Hund den Rücken stärkt.

 

Tipps und Sofortmaßnahmen zu Silvester

Sicherheit als oberstes Gebot

Jedes Jahr explodiert die Anzahl der Suchmeldungen von Hunden zu Silvester. Man kann es nicht oft genug wiederholen: An Silvester und an den Tagen zuvor und danach, gehört der Hund an die Leine und vernünftig gesichert. Ängstliche Hunde sollten zusätzlich mit einem Sicherheitsgeschirr abgesichert werden. Jeder Hund, der zu Silvester wegläuft, weil er sich erschreckt, und womöglich nicht wieder zurückkommt, ist einer zu viel.

Den Hund auslasten und müde machen

Ein müder Hund kommt besser zur Ruhe. Ist in der unmittelbaren Umgebung vom Zuhause bereits zu viel los, sollte ein ruhiger Ort für eine ausgiebige Gassirunde mit umfangreichem Bespaßungsprogramm gewählt werden. Also Hund ins Auto packen und raus fahren. Dann gilt es den Hund körperlich und geistig auszulasten. Auch hier bitte an eine Sicherung denken. Hunde hören sehr gut und nehmen Geräusche über weite Distanzen immer noch wahr.

Kauen beruhigt

Beim Kauen und Lecken wird der Teil des vegetativen Nervensystems aktiviert, der für Entspannung sorgt. Nicht nur im Alltag ist der Einsatz von entsprechenden Leckereien ein gutes Hilfsmittel. Dabei hat sich ein gefüllter Kong (z.B. mit Quark-Leberwurst- oder Dosenfutter-Füllung) bewährt. Das ganze einige Stunden ins Gefrierfach und das Hundeeis hält den Hund einige Zeit bei Laune. Kauartikel und andere Futterspielzeuge können ebenfalls eingesetzt werden.

Musik an, Vorhänge zu

Geräusche und Lichtreize von draußen können so gut es geht abgeschirmt werden. Komplett ausblenden lassen sich diese nicht, da gerade das Dröhnen und Donnern der Knaller über die tiefen Frequenzen auch körperlich spürbar sind. Aber in der Zeit vor Mitternacht, kann es dem Hund etwas Linderung verschaffen.

Rückzug bieten

Viele Hunde lieben es in Höhlen zu liegen. Sei es unter dem Bett, im Schrank oder in ihrer Box. Gerade wenn draußen die Welt untergeht, suchen Hunde Schutz und Geborgenheit. Egal ob es die Box ist, oder der enge Körperkontakt zum Besitzer, der Hund soll seinen Schutz bekommen. Es hält sich hartnäckig die Meinung, dass es falsch ist dem Hund Schutz zu bieten. Dabei sollte zwischen Schutz geben und Trösten unterschieden werden. Schutz in Form von Körperkontakt und Nähe ist ausdrücklich erlaubt und erwünscht, wenn der Hund es möchte. Auf den Hund einreden und in dabei Bemitleiden macht aber weniger Sinn und sollte deshalb unterlassen werden. Eine „gemeinsam-stehen-wir-das-durch“-Einstellung ist hilfreich und kann dem Hund auch so vermittelt werden.